In den letzten Tagen habe ich mich an einem dünnen Büchlein so richtig erfreut: “Shakespeare neu erzählt” von Michael Köhlmeier. Köhlmeier ist ein begabter Erzähler; dies hat er schon bei seinen Sagen des klassischen Altertums unter Beweis gestellt oder mit seinen Geschichten aus der Bibel. Er schafft es, dass man beim Lesen den Eindruck hat, in seine Bücher hineinzuhören, so als säße man vor dem kuscheligen Kamin und höre, wie eine ruhige Erzählerstimme eine packende Geschichte nach der anderen erzählt. Es ist übrigens ganz und gar kein Verrat an Shakespeare, dieses Buch zu lesen. Denn in Konkurrenz zum alten Meister will Köhlmeier gar nicht treten. Nein, Köhlmeiers Erzählungen machen gerade Lust darauf, nachzulesen, was Shakespeare aus den vorgestellten Stoffen gemacht hat und wie er im Einzelnen umgesetzt hat, was bei Köhlmeier kurz gefasst und locker-flockig daherkommt. Michael Köhlmeiers Buch ist eine wertvolle Ergänzung zu den alten Dramen, da Köhlmeier nicht nur nacherzählt, sondern gleichzeitig auch interpretiert, deutet und charakterisiert. So erschließen sich auch so manchem Shakespeare-Liebhaber dank “Shakespeare neu erzählt” völlig neue Seiten an den lieb gewonnenen Dramen.
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