Create, Rip, Mix and Burn
Thursday, 10. January 2008Mein Zugang zu dieser Thematik ist bestimmt durch die - ach - zwei Seelen in meiner Brust! Einerseits die des Lehrers, der es schätzt, schnell und unkompliziert Unterrichtsmaterialien für meine SchülerInnen aus verschiedensten Medien zusammenstellen zu können, ohne groß auf Copyrightbestimmungen zu achten. Dass das mehr eine Vision als die Realität ist, zeigt meine Arbeit in der LehrerInnenfortbildung. Denn die Ansicht, dass etwa alle Bilddateien, die man mit der Bildersuche von Google im Internet aufstöbern kann, rechtefrei und ohne Einschränkungen nutzbar wären, ist und ist nicht auszurotten … :)
Und da ist dann noch die zweite Seele in meiner Brust, die des Autors für Unterrichtsmaterialien. Zugegebenermaßen bin ich noch recht neu in diesem Geschäft und blicke nun in meinem zweiten Jahr voll Spannung in das, was sich in einem großen Verlagshaus abspielt. Aber ich beginne zu begreifen, dass in brauchbare Materialien meist auch eine Menge investiert werden muss und dass diese Materialien sich dann auch verkaufen müssen. Qualitativ hochwertige Unterrichtsmaterialien, mit denen ich jeden Tag abwechslungsreiche Stunden gestalten kann, ohne viel selbst schreiben oder entwickeln zu müssen, gibt es in der benötigten Menge einfach noch nicht im Netz.
Hier tritt dann Richard Baraniuk mit seinem Projekt Connexions auf den Plan. Auf seiner Internetseite sollen Unterrichtsmaterialien unter der Creative Commons Lizenz tatsächlich frei weitergegeben werden, verändert werden können und LehrerInnen und LernerInnen zur Verfügung stehen. Ich bin ein großer Befürworter der Weitergabe eigener Materialien, die jemand für seine eigenen SchülerInnen entwickelt und dann KollegInnen zur Verfügung stellt. Seit mehr als fünf Jahren stelle ich meine Arbeitsblätter im Internet zur Verfügung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Leute längerfristig und auf dem gleichen Standard Materialien schreiben, ohne diese zunächst selbst zu brauchen und so quasi ein kostenloses Lehrwerk entwickeln. Und ist dies nicht so - also gibt es keine Materialiensammlung, die einem Lehrwerk gleichkommt - wird es in der täglichen Anwendung mühsam, ständig fremde Materialien auf den Stand der eigenen SchülerInnen zu adaptieren. Da ist man - Rad neu erfinden hin oder her - oft tatsächlich schneller, wenn man die Dinge gleich selbst schreibt.
Auf Connexions gibt es eine Fülle an Stundenbildern und Ideen für teilweise sehr spezifische Themen und Zielgruppen. Alles steht und fällt bei einer Plattform meiner Meinung nach bei einem solchen Projekt mit der Suchmöglichkeit nach Materialien. Wie schnell gelange ich in dem großen Pool an Arbeitsmaterialien an die Inhalte, die ich genau brauche? Seit 2000 gibt es im Projekt Connexions laut Angabe in der Project History Materialien und heute können knapp 5.000 Inhalte heruntergeladen werden. Nicht gerade sehr viel für dieses internationale Projekt, finde ich. Eine Blitzsuche nach Standardinhalten wie "Shakespeare", "global warming" oder "London" ergab null Treffer für jeden dieser Suchbegriffe.
Schade. Da wird Plattform um Plattform, Tauschbörse um Tauschbörse aus dem Boden gestampft und die Inhalte - ja, wo sind die Inhalte?