eLearning Tag 2007 in Graz

September 18, 2007

Zum sechsten Mal veranstaltete die FH Joanneum heute ihren eLearning Tag, diesmal unter dem Motto “Neues (altes) Lernen und Lehren mit Web 2.0″. Ich durfte mit dabei sein und hielt ein Referat zum Thema “Gegen das Copy and Paste Syndrom ist ein Kraut gewachsen” - im wesentlichen über meine Idee der Referateserie “Work in Progress“, bei der SchülerInnen nicht über Themen und Inhalte referieren sollen, sondern über den Prozess ihrer Recherche.

Aus einer Reihe von anderen Beiträgen konnte ich gute Ideen für meine Unterrichtsgestaltung mitnehmen oder interessante Lese- und Surftipps.

  • In einer der Keynotes hat Vizerektor Herbert Kalb von der Universität Linz von den eLearning Aktivitäten seiner Einrichtung berichtet und ist auch auf den Einsatz von Weblogs eingegangen. So wird beispielsweise eine vertiefte Auseinandersetzung mit Inhalten dadurch erreicht, dass ein Beitrag im Weblog des / der Lehrenden auf den einzelnen Weblogs der Studierenden besprochen und danach auch gegenseitig kommentiert und Feedback gegeben wird. Besonders gut gefallen hat mir ein Trick zur Steigerung der Schreibmotivation: Studierende werden in der Prüfungssituation besonders mit den Inhalten ihrer Weblogs konfrontiert, wenn sie vorher fleißig gepostet haben … :)
  • Gisela Dösinger vom Know-Center der FH Joanneum hat in ihrer Keynote das Zusammenspiel von Web 2.0 und der Arbeitswelt beleuchtet. Sie ist auch auf die Thematik eingegangen, dass Personalabteilungen im Bewerbungsverfahren oft im Internet recherchieren, welches mögliche Vorleben die BewerberInnen hatten und hat mögliche Wege vorgeschlagen, damit umzugehen. So könnte man entweder Agenturen beauftragen, das Netz ähnlich einer Personalabteilung über Inhalte zur eigenen Person zu durchforsten, um gegebenenfalls unpassende Informationen noch schnell entfernen (zu lassen) oder im Gegenteil durch das Zusammenstellen eines eigenen Web-Portfolios gleich einmal selbst seine guten Seiten im Rahmen der Bewerbungsunterlagen präsentieren. Wertvoller Linktipp dazu ist für mich der Artikel “We googled you” von Diane Coutu.
  • Christian Schrack von der Pädagogischen Hochschule Wien hat mich in seinem Beitrag “Learning Communities im Schulalltag und der LehrerInnenbildung” wieder an eine Reihe von eLearning-Basics erinnert. So sprach er unter anderem über das “Role Based Learning”, in dem Rollen an die SchülerInnen vergeben werden statt Aufgaben und in dem sie aus ihren Rollen heraus ein Problem lösen sollen. Dann unterschied er die Rolle des Trainers von der des Coaches. Zweiterer unterstützt nämlich besonders beim Erreichen von selbst gesetzten Zielen. Sehr wertvoll empfand ich den Tipp, virtuelle Arbeitsgruppen in einer Lernplattform immer als Gruppenfoto darzustellen, da man als TeilnehmerIn dadurch immer wieder an die Gruppe erinnert wird. Schließlich gefiel mir das fixe Schema für das Gewinn bringende Erstellen von Arbeitsunterlagen: Zunächst gibt es einen Diskurs, geführt im Diskussionsforum. Die Quintessenz daraus kommt in ein Wiki, wo sie weiterbearbeitet wird und schließlich wird der fertige Text im Glossar abgespeichert, wo er den SchülerInnen zukünftig als Lernunterlage zur Verfügung steht.
  • Günther Friesinger von der Universität Wien hat die überaus spannende Softwarelösung AudioLectureLib vorgestellt, mit der sein Team der steigenden Anzahl von Studierenden begegnet, die der immer gleich (kleinen) Anzahl von Sitzplätzen im Hörsaal gegenübersteht: Vorlesungen werden aufgezeichnet, mit den entsprechenden Powerpoint-Folien versehen, die mittels Timestamp im richtigen Moment eingeblendet werden und auf der Plattform veröffentlicht. Dort können die Studierenden die Beiträge anhören oder auch herunterladen, etwa in einem portablen Format für den iPod oder das Mobiltelefon.
  • Schließlich habe ich noch das Referat von Sybille Paar von der FH Joanneum gehört, in dem sie kurz umrissen hat, mit welchen Anreizen man Studierende dazu bringen kann, sich an online Schreibaufgaben zu beteiligen: “Asynchronous online Writing Activities”. Bei herkömmlichen Schreibaufgaben, so Paar, fehle die Interaktivität mit den anderen TeilnehmerInnen, sondern die Kommunikation bestehe nur zwischen SchülerIn und LehrerIn. Wenn man nun Werkzeuge einsetzt, mit denen gemeinsam Texte produziert und schließlich publiziert werden, könne die Leserschaft über den/die LehrerIn hinausgehen und dadurch ein Motivationsschub erreicht werden. In Weblogs könnten etwa Beiträge zu eigenen Themen veröffentlicht werden, zu denen die SchülerInnen interessiert und gerne schreiben. Paar hob noch hervor, welche Vorteile das Verschriftlichen einer Diskussion mittels Diskussionsforum bringt: Durch den verlangsamten Prozess kann über das Thema viel besser reflektiert werden. Zunächst wird zudem das Leseverständnis gefördert, danach diverse Argumentations- und Schreibfertigkeiten.

http://virtual-campus.fh-joanneum.at/

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