Work in Progress
March 15, 2007Ich bin es Leid, meine Unterrichtseinheiten mit so genannten traditionellen Referaten (oder in meinem Fall “Presentations”) zu verschwenden. Was erhält man denn allzuoft als klassischen SchülerInnenbeitrag, der sich “Referat” schimpft? Doch nicht mehr als eine stümperhaft zusammengestoppelte Zusammenfassung eines Wikipedia-Beitrags, der als Handout ausgeteilt und dann der Klasse vorgelesen wird. Klar haben SchülerInnen immer viel zu tun und versuchen, möglichst effizient zu arbeiten. Aber bei der zunehmenden Wikipediasierung der Referate mache ich nicht mehr mit.
Ich fordere meine SchülerInnen neuerdings auf, eine “Work in Progress”-Präsentation zu halten. Work in Progress bedeutet im Großen und Ganzen mehr Konzentration auf die Vorgehensweise des Recherchierens und weniger Konzentration auf den Inhalt. Die Idee dahinter ist, dass sich jedeR in sekundenschnelle über Wikipedia oder ein anderes Portal Fakten und Zahlen organisieren kann - das ist keine Kunst. Was heutzutage wertvoll ist, ist daher nicht das Faktenwissen, sondern die Kunst des Recherchierens abseits von Wikipedia und Co.
Zu diesem Zweck habe ich eine Reihe von vollkommen willkürlichen Fragestellungen zusammengetragen und gebe den SchülerInnen die Aufgabe, Antworten darauf zu finden:
- What happened to Shakespeare’s children?
- What food company was founded by Harlan Sanders?
- What do you need to organize before travelling to China?
Ihr Referat besteht dann aber nicht nur daraus, die Antworten vorzutragen, sondern besonders zu beleuchten, wie und wo sie die Informationen gefunden haben, was schwierig und was einfach daran war. Das Handout für die Klasse muss übrigens ein MindMap sein. Mit diesen Anforderungen glaube ich bestmöglich verhindern zu können, dass das Referat bloß aus Copy & Paste besteht und denke auch, die SchülerInnen Erfahrungen in einem wichtigen Bereich machen zu lassen: Inhalte recherchieren, auswählen, zusammenführen.
Mit einem Evaluation Sheet, das die Anforderungen genau auflistet, wird die Qualität der Präsentationen gewertet. Es wird erkennbar, wo Stärken und wo Schwächen liegen und hilft, zu einer Gesamtnote zu kommen, die alle Aspekte berücksichtigt.
Downloads zu diesem Beitrag:
- Work in Progress: Guidelines und Themenvorschläge (Word)
- Work in Progress: Guidelines und Themenvorschläge (PDF)
- Work in Progress: Evaluation Sheet (Word)
- Work in Progress: Evaluation Sheet (PDF)
Diskussion: Wie haltet ihr es mit dem leidigen Thema Referate / Presentations?
15. March 2007 um 22:04
Super Idee!! Tolles Material, muss ich gleich mal ausprobieren. Ich frage auch gerne nach dem “Warum”: Warum könnte die ein-Kind-Politik in China ein Problem werden? Warum ist sie eingeführt worden? Warum können manche Chinesen mehrere Kinder haben?
16. March 2007 um 07:47
Vielen Dank für das nette Feeback! :)
Fragen nach dem “Warum” sind in der Tat sehr nützlich, aber in meinem etwas radikalen Ansatz gehe ich noch einen Schritt weiter: Letztendlich ist es mir gleichgültig, was die SchülerInnen hier referieren (denn man kann sich so gut wie jede gängige Info schnell aus dem Netz holen), solange sie nur gut darstellen und beschreiben, wie sie die Informationen gefunden haben.
LGSt :)
19. March 2007 um 23:27
[...] dass unsere Schüler in Zukunft alle dieselben “Wikipedia-Referate” herunterleiern? Auf Lernardo.com gibt es die Idee, willkürlich zusammengestellte Fragestellungen statt Referaten ausarbeiten zu [...]